Über mich

Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Ich wollte schon immer Journalistin werden. Mir kam nie ein anderer Beruf in den Sinn. Nicht, als meine Familie mir versuchte, diese „wahnsinnige Idee“ heraustreiben. Nicht, als mir von so manchen Menschen gesagt wurde, dass ich es mit meinem Migrationshintergrund eh nicht weit bringen werde.

Ich. Will. Journalistin. Werden. Wenn mich jemand nach dem Warum fragen würde, könnte ich es nicht beantworten. Vielleicht lag es daran, dass ich es liebte zu lesen und Geschichten in meinem Kopf weiterzudrehen, aufzuschreiben. Oder vielleicht, weil ich großes Interesse am Leben anderer zeigte.

Mein Entschluss stand also fest, die entscheidende Frage lautete: Worüber genau möchte ich schreiben? Kultur? Politik? Wirtschaft? Kultur? Mode? Lifestyle? Kultur? Okay, Kultur. Theater. Film. Kunst.

Dann der Wendepunkt. Meine ältere Schwester war in dieser Zeit in der Türkei. Sie wollte raus aus Mannheim und studierte an der Istanbul Universität Deutsch als Fremdsprache. Irgendwann im Winter, da war ich in der achten Klasse, erreichte uns eine Nachricht. Melda, meiner Schwester, gehe es nicht gut. „Meine Hände sind taub“, erzählte sie am Telefon. Meine Mutter belächelte dies zunächst. „Du bist einfach zu lange am Handy, ich habe es dir immer gesagt.“ Es wurde nicht besser.

In einer Privatklinik in Istanbul führten die Ärzte diverse Tests durch, die Diagnose folgte am selben Tag: Multiple Sklerose. Was ist das?, fragten wir. Eine Nervenkrankheit. Unheilbar, lautete die Antwort. Ich kann mich an diesen Tag sehr gut erinnern. Meine Eltern drehten völlig durch und flogen meine Schwester nach Deutschland ein. Und sie selbst weigerte sich, die Diagnose MS im Internet zu recherchieren, geschweige denn ernst zu nehmen.

In der Mannheimer Uniklinik folgte auf eine Magnetresonanztomographie eine Computertomographie. Dann eine Lumbalpunktion – Wasser wurde ihr aus der Wirbelsäule gezogen. Große Begriffe, mit denen wir nichts anfangen konnten. Ich hatte Ferien und bewegte mich keinen Meter fort von meiner Schwester. Vor meinen Augen zerfielen meine Eltern, alterten um Jahre. Und ich mit ihnen.

Es waren keine leichten Zeiten. Wir redeten zwar mit Ärzten, konnten aber mit dem Inhalt nichts anfangen. „Unheilbar“ geisterte immerzu in unseren Köpfen. Das was wirklich zählte, war einfach die Therapie. Und die bekam sie.

Ich möchte hier nicht die Geschichte meiner Familie erzählen. Das ist nicht Sinn dieser Webseite. Aber sie beantwortet die Entscheidung, wieso ich mich letztendlich für den Wissenschaftsjournalismus entschieden haben. Ich wurde in diesen Bereich, in dieses Ressort, regelrecht hineingezogen. Nach diversen Praktika und meinem Abitur, habe ich am Karlsruhe Institut für Technologie Wissenschaft-Medien-Kommunikation studiert. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus wurden in getrennten Inhalten vermittelt. Meinen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt stellte Biologie-Medizin-Chemie dar.

Und es machte wahnsinnig viel Spaß. Ich hörte von Schnittstellen zwischen Hirn und Maschinen, wie sogenannte Exoskelette einem gelähmten Menschen wieder das Gehen ermöglichen können. Ich beobachtete wie mein Dozent und Neurochirurg Aneurysmen clipste, von Tumoren sprach, die so groß sein können, wie Tennisbälle. Oder dass es Leute gibt, die nichts essen, was von einem Baum fällt. Am Max-Planck-Institut für Hirnforschung absolvierte ich mein Pflichtpraktikum. Dort wurde mir die Angst vor „Forscherinnen und Forschern im Elfenbeinturm“ genommen. Die Wissenschaftler waren so offen, so bereitwillig mir ihre Arbeit zu erklären und zu zeigen, dass meine Begeisterung nur weiter wuchs. In meinem letzten Semester war ich so weit, dass ich nur noch meine Bachelorarbeit hätte schreiben müssen. Damit ich also nicht vor dem Computer verkam, beschloss ich, mich für Hospitanzen zu bewerben.

Ich bekam eine Zusage von der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im Ressort Natur und Wissenschaft arbeitete ich mit Herrn Müller-Jung und Herrn Lindinger – und lernte in drei Monaten so viel, wie noch nie zuvor. Eines Tages sagte Herr Lindinger zu mir, dass es „im Wissenschaftsjournalismus keinen Tag gibt, an dem man nichts lernt.“ Dieser Satz inspiriert und motiviert mich noch heute. Jeden Tag trudelten neue Ergebnisse ein. Klima, Pharma, Astronomie, Gender Medicine, Naturschutz, Genetik. Große, kleine, sehr spezielle oder für die Allgemeinheit wichtige Studien.
Danach ging ich zu ZEIT Wissen nach Hamburg. Mit Max Rauner erarbeitete ich ein Social-Media-Konzept für das Wissenschaftsmagazin, im Ressort Wissen der ZEIT wiederum, schrieb ich über Chronobiologie, Impfgegner oder das Selbstbild von Elefanten. Bei der dpa im Hauptstadtbüro wurde mir bewusst, wie anstrengend Agenturjournalismus ist.

Und dann: Bin ich nach Mannheim zurückkehrt. Habe in der Zwischenzeit mein Studium abgeschlossen, neue MS-Therapien kennengelernt und Absagen für Volontariate eingesteckt. An mir selbst gezweifelt, nicht aufgegeben, mich weiter beworben – und die Stelle beim Mannheimer Morgen bekommen. Bis September 2020 war ich zunächst als Volontärin, dann als Reporterin im „Weltpool“ teil der Redaktion und habe so ziemlich über alles geschrieben, was die Welt zu berichten hat. Dann der große Schritt, die Erfüllung eines großen Traums: wieder über wissenschaftliche zu Themen berichten – tagein, tagaus: Seit Oktober 2020 bin ich im Ressort „Gesundheit und Leben“ der Berliner Zeitung. Und in der Hauptstadt ziemlich glücklich.